Grafomotorik

Mehr als 15 Jahre Erfahrung mit ergotherapeutischer Diagnostik und Behandlung von Kindern und Jugendlichen unterschiedlichen Alters mit teilweise auch schwerwiegenden (hand)motorischen Einschränkungen bilden die Grundlage meiner grafomotorischen Beratung und Behandlung.

Grafomotorische Fähigkeiten werden dem Bereich der Feinmotorik zugeordnet und bilden die Grundlage für das Handschreiben, Malen und Zeichnen.
Unter Verwendung eines Werkzeugs zum Schreiben, Zeichnen oder Malen werden Körperbewegungen dauerhaft sichtbar. Es entstehen Buchstaben, Wörter, ganze Texte und Bilder oder Zeichnungen, die erkennen lassen, ob Bewegungen z. B. schnell, langsam, unsicher, starr, gleichmäßig, geschmeidig, ruhig, mühelos ausgeführt wurden.
Zur Ausführung grafomotorischer Tätigkeiten werden gewisse grobmotorische und koordinative Fertigkeiten als Voraussetzung benötigt, die unter Einfluss von Sensorik (Sehen und Fühlen) und von Perzeption (Wahrnehmung) als Fähigkeiten im Bereich des Rumpfes und der Arme entwickelt sein müssen. Erst dann kann die willentliche Bewegungssteuerung der dominanten Hand für das Lernen und das Üben eines zufriedenstellenden Umgangs mit diversen Werkzeugen für das Handschreiben, Zeichnen und Malen vom Kind ausgebaut werden. Ein Ungleichgewicht motorischer Fertigkeiten im Kindesalter kann die grafomotorische Entwicklung erschweren oder behindern.
Grafomotorik – Grundelemente

Sitzen: Grundsätzlich ist die Kontrolle des Körpers im Sitzen eine wichtige Voraussetzung für Tätigkeiten mit den Händen. Ist die Muskelspannung zu niedrig, werden Arme zum Stützen verwendet oder wenn sie zu hoch ist, kann das Kind nicht ruhig sitzen. Ständige Lageveränderungen sind in beiden Fällen zu beobachten, was die Qualität der Ergebnisse negativ beeinflussen kann.

Handdominaz: Auch die kindliche „Suche“ nach der geschickteren Hand, welche über einen gewissen Zeitraum üblich ist, kann indifferent und langwierig sein und die Hinzuziehung einer ergotherapeutischen Fachkraft dann sinnvoll und notwendig sein.

Auge-Hand-Koordination: Augen und Hand müssen besonders bei grafomotorischen Tätigkeiten gut zusammenarbeiten, um zielgerichtet Schreib- oder Malwerkzeuge bewegen zu können.

Wahrnehmung: Beim Schreiben von Buchstaben auf Papier ist die Kenntnis der Raumlage (links, rechts, vorne, hinten, oben, unten) und die Fähigkeit, Richtungen zu wechseln, von großer Wichtigkeit. Wenn Richtungswahrnehmungen und/oder die Begriffe noch unsicher sind, kann es beispielsweise zu spiegelbildlicher Darstellung kommen oder die verlangte Schreibrichtung, die später für die Schreibschrift von Bedeutung wird, kann nicht eingehalten werden.

Hand-, Fingerkraft und Kraftdosierung: Die Hand- und Fingerkraft muss ausreichend sein, um benötigte Werkzeuge dauerhaft stabil halten zu können. Der Druck, der auf die zu bearbeitende Unterlage ausgeübt wird, muss je nach verwendetem Werkzeug (Bleistift, Füller, Filzschreiber, Wachsmalstift, Pinsel etc.) und dem zu bearbeitenden Material (Papier, Pappe, Stoff, Holz etc.) vom Kind anpassbar sein.

Schreibwerkzeug- und Stifthaltung: Die Art der Greifhaltung eines Werkzeugs ist ebenso maßgeblich dafür, mit welchem Teil des Körpers (Schulter, Arm, Handgelenk, Finger) grafomotorische Bewegungen ausgeführt werden. Verhindert beispielsweise die Art des übermäßig stabilisierenden Griffs die Beweglichkeit im Bereich des Handgelenks und der Finger, kommt es häufig zu frühzeitiger Ermüdung und in Folge davon zu Schmerzen beim Handschreiben. Meist kann auch nicht ausreichend schnell geschrieben werden, oft wird das mangelnde Schreibtempo jedoch erst längere Zeit nach Schuleintritt bemerkbar.

Beweglichkeit und Koordination von Bewegungen: In der Praxis ist zu beobachten, dass Kinder häufig noch nicht ihre Bewegungsfähigkeit im Bereich der Hand und der Finger und deren Kombinationsmöglichkeiten kennen. Diese Bewegungen können entsprechend den Anforderungen (groß, klein, rund, eckig u. a.) variiert und kombiniert werden und führen bei entsprechendem Einsatz zu einer mühelosen, zügigen und persönlichen Handschrift.

Besonderheiten beim linkshändigen Schreiben: Das linkshändige Schreiben hat sich seit vielen Jahren etabliert und muss nicht grundsätzlich Probleme mit sich bringen. Dennoch braucht das linkshändig schreibende Kind andere Anweisungen als das rechtshändige Kind, um gleiche Voraussetzungen wie rechtshändige Kinder im Schreiblernprozess zu haben. So können von Beginn an Fehlhaltungen der Hand und später das Verwischen der Tinte vermieden werden. Immer noch werden linkshändige Kinder mit ihren Voraussetzungen alleine gelassen und haben es dadurch schwer. Linkshänderberatung kann deshalb notwendig und sinnvoll sein und sollte bereits vor dem Schuleintritt durchgeführt werden. Manche Kinder passen sich wegen fehlender Unterstützung an ihr Umfeld an und beginnen mit der nicht-dominanten Hand zu malen und zu schreiben, was nach wissenschaftlichen Erkenntnissen negative Folgen für die Konzentrations- und die Leistungsfähigkeit haben kann und ist deshalb zu vermeiden. Eine Rückschulung kann im Einzelfall ein wichtiger Schritt zur Verbesserung der Situation des Kindes sein.

Ergotherapeutische Behandlung grafomotorischer Einschränkungen: Ergotherapie wird als Übungsbehandlung eingesetzt, um Kinder gezielt bei unterschiedlichen grafomotorischen Problemen individuell zu unterstützen und sollte möglichst früh nach Feststellung der Schwierigkeiten durchgeführt werden, da Gewohnheiten, wie z. B. extrem fixierende Stifthaltungen oder fehlende Auflage der Handaußenseite, ungünstige Blattlage u. a., je länger sie bestehen, desto schwerer zu ändern sind. Werden im Bereich der Grobmotorik Probleme als Ursache ermittelt, sind diese für die Erreichung einer guten Ausgangsbasis mit zu behandelt. Auch feinmotorische Übungen dienen zur Vorbereitung auf bessere grafomotorische Leistungsfähigkeiten.

Motivation und Begleitung: Kinder benötigen elterliche Ermutigung, Interesse und eine gewisse Begleitung, um in der Ergotherapie neu gewonnene Erfahrungen zu Hause vertiefen zu können und diese in ihre Schreib- und Malhandlungen im Alltag integrieren zu können.



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Ergotherapie für Kinder

Quellen:

Erste deutsche Beratungs- und Informationsstelle für Linkshänder und Linkshänder: Linkshändigkeit in der Gesellschaft und Folgen der Umschulung der Händigkeit. online: https://lefthander-consulting.org/deutsch/information/problematik/ [Stand: 26.10.2020]